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Thurgauer Kirchenbote Mai 2010
Vielfalt - füllt sie unsere Gottesdienste?
Gottesdienste nach Publikumsgeschmack sollen mehr Leute in die Kirche bringen. So haben die Medien anfangs April die vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund SEK vorgeschlagene Strategie gegen den Mitgliederschwund der reformierten Kirchen zusammengefasst. Ginge damit aber nicht das Gemeinsame - die Gemeinschaft - verloren?
In seinem Grundlagenpapier zu einer Verfassungsrevision schlägt der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK vor, dass das Angebot an Gottesdiensten vielfältiger und innovativer werden sollte, ohne dabei an Qualität und Profil zu verlieren. Der SEK geht vom Grundgedanken aus, dass in einer individualisierten Gesellschaft ein einziges Angebot allein nicht gleichzeitig alle Generationen und Milieus ansprechen kann. Es soll daher versucht werden, Gottesdienste für verschiedene Zielgruppen anzubieten: Für Familien, Jugendliche, Frauen; aber auch für Tierhalter, Motorradfahrer, Kranke, Gehörlose usw. Der SEK ist sich bewusst, dass derart spezifische Gottesdienste aber aufwändige Vorbereitungen erfordern: "Neben der Vielfalt ist auch Innovation wichtig, denn Zielgruppen und Bedürfnisse ändern sich stetig." Als innovatives Beispiel wird die St. Galler Kirche erwähnt, die unzählige spezielle Gottesdienste unterstützt: Für Mensch und Tier, mit Tanz, mit Meditation, mit Diskussion, für Spätaufsteher, Segen für Radfahrer etc. Der Kirchenbund verschweigt auch nicht, dass mehrere Landeskirchen befürchten, eine allzu grosse Vielfalt könnte der Beliebigkeit Tür und Tor öffnen.
"Auf Publikumsgeschmack eingehen" Der Begleitbericht, den der SEK zur Verfassungsrevision in Auftrag gegeben hat, stellt fest, dass der Gottesdienstbesuch ist seit den Sechzigerjahren stetig rückläufig ist: "Noch ganze 10 Prozent der Reformierten besuchen jeden Sonntag die Kirche, davon sind 60 Prozent über 70 Jahre alt! An die Eigenschaften eines Gottesdienstes werden, gerade auch von den Kirchgängern, deutlich mehr „atmosphärische“ Erwartungen geknüpft als christlich-theologische; es könnte sich lohnen, vermehrt auf den „Publikumsgeschmack“ einzugehen."
Ausschlaggebend sind Beziehungen Im SEK-Bericht werden aber auch die Grenzen von attraktiven Gottesdienstangeboten aufgezeigt: "Viele Gemeinden und Kantonalkirchen werden sich bewusst, dass ein guter Gottesdienst nicht per se zu einer guten Beteiligung führt. Die Leute wollen eingeladen werden. Ausschlaggebend sind hier Kontakte, Beziehungen und Kommunikation von Professionellen wie von engagierten Gemeindemitgliedern. In fast allen Kirchen erweisen sich solche Strategien als erfolgreich. Damit jedoch der vermehrte Aufwand für eine nachhaltige Gottesdiensterneuerung auch überall auf sich genommen wird, muss die Situation der Pfarrpersonen überdacht und verbessert werden."
Die Redaktion des Kirchenboten hat einen Pfarrer und einen Diakon eingeladen, sich zu den Grenzen und Möglichkeiten von vielfältigen Gottesdienstangeboten zu äussern.
Sie alle laden wir ein, die Diskussion, die Pfarrer Kurt Witzig, Münchwilen, und Diakon Roland Pöschl, Sirnach, in der aktuellen Mai-Ausgabe des Thurgauer Kirchenboten führen, in diesem Internet-Diskussionsforum weiterzuführen.
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